Der Löwe von Jehuda
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Der Löwe von Jehuda / Lion of Yehuda

Deutsch / English below


Teil I. Stark sein
Eine dramatische Szene
Wir haben in der Sedrah dieser Woche eine sehr dramatische Szene, vielleicht eine der dramatischsten Szenen in der gesamten Kisvei Hakodesh. Der Mishneh Lamelech, der Herrscher von Ägypten, sitzt auf seinem Thron und züchtigt die Shewatim; er droht, ihren kleinen Bruder Binyomin wegzunehmen und ihn ins Gefängnis zu werfen, weil er den königlichen Kelch gestohlen hat.

Sie erinnern sich an die Geschichte, wie die Brüder nach Mizraim hinuntergingen, um Getreide zu kaufen, und nun hatten sie es mit dem Mishneh Lamelech zu tun, der sehr hart zu ihnen war – sie wussten nicht, dass es ihr lange verlorener Bruder Yosef war – und nun nahm er Binyomin in Gefangenschaft. Und es schien, als sei alles verloren; Binyomin würde nun gefangen gehalten werden und als Sklave in Mizraim bleiben und dort im Gefängnis sterben. Und die Brüder müssten nun ohne Binyomin zu ihrem Vater zurückkehren. Das war der Psak des Mishneh Lamelech.


Wenn wir die Szene richtig einordnen wollen, müssen wir zuerst vergessen, was wir uns unter einem König vorstellen. Heute betrachten wir Staatsoberhäupter, Präsidenten und Premierminister, als Nichtsnutze, als Drückeberger. Und dafür gibt es einen guten Grund – sie sind nämlich Drückeberger. Ihre Drohungen sind meist leere Drohungen und ihre Würde ist meist eine leere Würde. Wer ist heute unser Präsident? Ein Erdnussfarmer, ein leerer Anzug. Selbst ein König ist heute nichts, nichts im Vergleich zu früher.


Das Spiel mit dem Feuer
Aber in der guten alten Zeit, wenn ein König sprach, zitterte man in seinen Stiefeln – wenn man ihn falsch ansah, hieß es «ab mit dem Kopf». Und es gab keine Bewährungsausschüsse und keine Berufungen beim Obersten Gerichtshof. Kein dummer liberaler Richter konnte dich retten. Es wurde ein Befehl gegeben, und der Kopf wurde sofort vom Körper getrennt.


Und als der Mishneh Lamelech den Brüdern sagte, was nun mit Binyomin geschehen würde, hätte es keinen Pieps geben dürfen. Es stimmt zwar, dass Binyomim jetzt verloren ist und sie ohne Binyomin zu ihrem Vater zurückkehren müssen, aber da ist nichts zu machen. Mit einem König kann man nicht streiten.
Plötzlich geschah etwas. Der Possuk sagt וַיִּגַּשׁ אֵלָיו יְהוּדָה – Und Jehuda näherte sich dem Mishneh Lamelech. Sie standen dort in großer Furcht, aber Jehuda nahm seinen Mut zusammen und näherte sich. וַיִּגַּשׁ bedeutet, dass er sich dem König näherte וַיֹּאמֶר, und er sprach zu ihm. In Gegenwart eines Königs den Mund aufzumachen, erfordert Nerven, es erfordert ein gerades Rückgrat. Die Wahrheit ist, dass es schon etwas ist, zurückzustehen und sanftmütig um Gnade zu bitten. Aber sich dem Mishneh Lamelech zu nähern? Das erfordert einen gewissen Geist.


Und er hat sich nicht nur genähert, er hat auch lange gesprochen. Nun ist eine lange Rede vor einem König, eine argumentative Rede, eine höchst unkluge und gefährliche Sache – es ist wie ein Spiel mit dem malach hamaves. Aber Yehuda war moser nefesh und er machte sich selbst zum Sprecher. Er sprach mit Diplomatie, aber er sprach trotzdem, und er sprach hart. Und so wurde Binyomin gerettet.


Part I. Being Strong
A Dramatic Scene
We have in this week’s sedrah a very dramatic scene, maybe one of the more dramatic scenes in the entire kisvei hakodesh. The mishneh lamelech, the ruler of Egypt, is sitting on his throne and he’s castigating the shevatim; he’s threatening to take away their little brother Binyomin and to imprison him for stealing the royal goblet.


You remember the story, how the brothers went down to Mitzrayim in order to buy grain and they were dealing now with the mishneh lamelech who was being very tough to them – they didn’t know it was their long lost brother Yosef – and now he was taking Binyomin into captivity. And it seemed like all was lost; Binyomin will be imprisoned now and he would remain in Mitzrayim as a slave and die there in prison. And the brothers would have to come back now to their father without Binyomin. That was the psak of the mishneh lamelech.


Now, if we’re going to set the scene properly we have to first forget about whatever we think a king is. Today we look at leaders, at presidents and prime ministers, as nothing people, as pushovers. And there’s a good reason for that – it’s because they are pushovers. Their threats are usually empty threats and their dignity is usually an empty dignity. Who’s our President today? A peanut farmer, an empty suit. Even a king today, it’s nothing; it’s nothing compared to the ancient days.


Playing With Fire
But in the good old days when a king spoke, you quaked in your boots – if you looked at him wrong, it was “off with the head”. And there were no parole boards and no appeals to the Supreme Court. No silly liberal judge was going to save you. An order was given and the head was promptly removed from the body.


And so when the mishneh lamelech was telling the brothers what was going to be now with Binyomin, so there shouldn’t have been a peep. It’s true, Binyomim is going lost now and they’ll have to return to their father without Binyomin but there’s nothing to do. With a king you don’t argue.


Suddenly something happened. The possuk says וַיִּגַּשׁ אֵלָיו יְהוּדָה – And Yehuda approached the mishneh lamelech. They were standing there in great dread but Yehuda mustered up his courage and he approached. וַיִּגַּשׁ means he came close to the king וַיֹּאמֶר, and he spoke to him. Now just to open up a mouth in a king’s presence requires nerve; it requires a stiff spine. The truth is even to stand back and meekly beg for mercy is something already. But to approach the mishneh lamelech? It requires a certain spirit.


And not only he approached, but he spoke at length. Now, to make a long speech to a king, an argumentative speech, is a most unwise and perilous thing to do – it’s like playing with the malach hamaves. But Yehuda was moser nefesh and he made himself the spokesman. He spoke with diplomacy but still he spoke, and he spoke tough. And that’s how Binyomin was saved.

Staffavigdormiller

Auszug aus der Parascha Wajigasch von Rav Avigdor Miller ZT «L:
Exerpt from Parasha Vayigash by Rav Avigdor Miller ZT»L: